DevOps und ABAP: Und wie das geht!

Warum moderne Projektmethodik und On-Premise-IT zusammengehören

Wer an DevOps denkt, der denkt an die Cloud. An Java-basierte Anwendungen, die in kurzen Zyklen aktualisiert werden. Was viele dabei völlig unterschätzen: DevOps klappt auch im traditionsreichen ABAP-Umfeld. Und wer es hier nicht nutzt, dürfte schon bald ein Problem haben.

Erinnern Sie sich noch, als Gartner das Zeitalter der bimodalen IT eingeläutet hat? Cloudbasierte Anwendungen, meist Nicht-ABAP-Systeme, verbreiteten sich immer stärker. Vor allem auch dank DevOps ließen sich dabei extrem schnelle Entwicklungszyklen erreichen. Auf der anderen Seite standen die On-Premise-ABAP-Anwendungen, auch „Systems of Record“ genannt. Hier blieb die Strategie mit wenigen Releases pro Jahr bestehen. Stabil, ja. Aber auch starr.

„Es gibt keinen logischen Grund, warum eine kleine Report-Änderung bis zum nächsten Release warten muss.“

– Dr. Liane Will, Chief Expert Engineer, SAP SE

Innovation betrifft nicht nur die Cloud

Das Problem dabei: Neu entwickelte Geschäftsmodelle sind nicht an einzelne Systeme gebunden. Sie überschreiten die Grenzen der Cloud und beeinflussen die Legacy-Systeme gleichermaßen. Die IT der zwei Geschwindigkeiten beißt sich hier selbst in den Schwanz. Die ABAP-Landschaft hechelt den Java-Anwendungen hinterher, der geschäftliche Nutzen eines neuen Cloud-Features stellt sich erst spät ein. Und: Wenn Sie heute ein Projekt starten und die Ergebnisse erst in einem halben Jahr nutzen können, dann passen diese vielleicht schon gar nicht mehr zu den Anforderungen am Markt und den potenziellen Benutzern.

DevOps in a Nutshell
Bei DevOps arbeiten Entwicklung und Operations eng zusammen. Gemeinsame Anreize, Prozesse und Werkzeuge führen zu besseren Ergebnissen, kürzeren Deployment-Zeiten und einem größeren Commitment der Beteiligten. Eine verbindliche Definition von DevOps gibt es nicht, aber ein gemeinsames Verständnis. Das CAMS-Modell beschreibt DevOps in vier Dimensionen:

  • Culture: Wie alle am Softwareentwicklungsprozess beteiligten Personen zusammenarbeiten
  • Automation: Wie Tests, Integration und Deployments mit vorhersagbarer Qualität hochgradig automatisiert werden
  • Measurement: Wie die IT-Nutzung und neue Anforderungen gemessen und daraus Optimierungschancen identifiziert werden
  • Sharing: Wie Projekterfahrungen und Wissen zwischen den Beteiligten geteilt werden

Die Lösung? Setzen Sie auf DevOps – auch in Ihrer ABAP-Landschaft! Das klingt zunächst unpassend: Tools wie Git, Marvin, Docker oder Jenkins sind als gängige cloudbasierte Werkzeuge in der Nicht-ABAP-Welt bekannt, aber warum sollten sie nicht auch auf die ABAP-Welt übertragbar sein? Die Idee, Entwicklung und Betrieb in allen Phasen zusammenzuführen, hat sich zwar zunächst im Cloud-Kontext durchgesetzt. Aber es wäre ein Fehler, es dabei zu belassen. Denn wie bereits angedeutet sind Geschäftsprozesse üblicherweise system-, technologie- und deployment-übergreifend gestaltet.

Zwei Geschwindigkeiten – ein fundamentaler Engpass

Je stärker Ihr Unternehmen von der digitalen Transformation betroffen ist, desto wichtiger ist es, IT-Projekte grundsätzlich nach der DevOps-Methodik auszurichten. Warum? Weil sonst die Entwicklungszyklen Ihrer beiden Systemwelten immer weiter auseinanderdriften. Angenommen, Sie implementieren ein neues Feature in Ihrem Java-Webshop. Dann müssen Sie auch nachgelagerte Änderungen im ERP vornehmen – und vor allem den Gesamtprozess testen! Wie soll das gehen, wenn die nächsten ERP-Changes erst in einem Vierteljahr vorgesehen sind?

Zwischen Tools und Kultur

Natürlich lässt sich der DevOps-Ansatz im ABAP-Umfeld nicht 1:1 so umsetzen, wie im Java-Kontext. Es gibt Unterschiede, es gibt Beschränkungen. So macht es die auf Microservices basierende Architektur cloudbasierter Lösungen beispielsweise einfacher, die Auswirkungen einer Änderung einzuschränken. Da sind monolithische On-Premise-Systeme technisch im Nachteil, jedoch helfen hier Werkzeuge, die potenziellen Auswirkungen von Änderungen zu beurteilen und entsprechend vorzubereiten. Es gibt auch Vorteile im On-Premise-Bereich: So sind mit dem SAP Solution Manager zuverlässige Prozesse für Change und Incident oder Test  Management bereits tief integriert und werden aktiv genutzt.

Hürden sind eher weicher Natur: Es braucht Entscheider, die den Nutzen der DevOps-Methodik motivierend vermitteln, Gräben zwischen Abteilungen auflösen und die Vorteile der Zusammenarbeit aufzeigen.

„Der wichtigste Erfolgsfaktor für DevOps sind nicht die Tools. Es ist die Kooperation motivierter Mitarbeiter.“

Wir beobachten, dass das Management zunehmend hinter DevOps steht, weil es die Erfolge in anderen Unternehmen gesehen hat. Das erleichtert es, die nötigen kulturellen und organisatorischen Änderungen anzuschieben.

DSAG erarbeitet Handlungsempfehlungen

Und wie geht es jetzt weiter? Die DSAG hat einen Arbeitskreis eingerichtet, der auf das Thema DevOps im ABAP-Umfeld fokussiert. SAP und SIRIUS sind dabei, zahlreiche weitere Experten aus Industrie und Wirtschaft ebenfalls. Derzeit arbeiten wir an einem Papier, das IT-Verantwortlichen mit „Good Practices“ bei der Umsetzung helfen soll. Wie sollten die Prozesse gestaltet sein? Wie müssen sich Organisationsstrukturen und die Unternehmenskultur wandeln? Welche Tools sind sinnvoll und welche Hürden lassen sich bei der Einführung vermeiden? All das möchten wir beantworten. Und einen Überblick geben, welche Ansätze die Projektbeteiligten verfolgen.

Denn eines ist klar: Wir brauchen DevOps. Wer die Legacy-IT weiterhin so betrachtet, wie er es stets gewöhnt war, wird von der digitalen Transformation zum Frühstück verspeist.

Titelbild: © Irina_Strelnikova/iStock