Digitalisierung und Instandhaltung Teil 1 – Why the time is now

So erschließen sich Industrial-Equipment-Manufacturer neue Umsatzhorizonte

Wie muss sich Instandhaltung angesichts sich wandelnder Technologien verändern? Warum sollten Maschinenbauer und Fertigungsunternehmen gerade jetzt die Vorteile der Digitalisierung nutzen? Dies erläutern wir im heutigen ersten Teil unserer vierteiligen Serie zum Thema „Digitalisierung und Instandhaltung”.

Anlagen, die zunehmend automatisiert und untereinander vernetzt sind, gesteuert über mobile Devices und Softwareanwendungen – was das für die Instandhaltung bedeutet, darüber wissen Unternehmen der fertigenden Industrie ein Lied zu singen. Denn mit der Digitalisierung ändern das Anforderungsprofil an Plant Maintenance und gleichzeitig dessen Möglichkeiten rasant: Wer Echtzeitdaten zu Produktionsbedingungen und Anlagenzuständen maschinell und prädiktiv verarbeitet, kann Instandhaltungsmaßnahmen frühzeitig durchführen. Das Ergebnis: effizientere Prozesse und ein optimierter Personaleinsatz.

„Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte“. Das geflügelte Wort Gustav Heinemanns gewinnt angesichts von digitaler Transformation und Industrie 4.0 noch einmal besondere Bedeutung. Natürlich wissen Fertiger, dass sie sich immer weiterentwickeln müssen. Um neue Wachstums- und damit Umsatzpotenziale zu erschließen, sind sie gefordert, ihre bisherigen Grenzen der Produktion und Vermarktung weiter auszudehnen. Das bisherige Portfolio muss überdacht und besser sowie resilienter gestaltet werden. Nur so lassen sich aktuelle Herausforderungen meistern – wie aktuell etwa Lieferkettenverzögerungen im Zuge der Corona-Pandemie.

Warum gerade jetzt die Zeit dafür ist?

Auf drei aktuelle Trends richtet sich dabei der Blick:

  1. Die meisten CEOs bei Maschinenbauern haben erkannt: Allein durch den Verkauf von Produkten sind sie bereits an der Obergrenze, zusätzliche Umsätze lassen sich nur noch unter hohem Aufwand realisieren. Der nächste Schritt ist es deshalb, Services zu verkaufen, d. h. das Ergebnis der Produkte. „Asset as a Service“ lautet das Stichwort. Studien zufolge wird dieser Markt bis 2024 weltweit 300 Milliarden Euro ausmachen. Fertiger, die auf den Zug aufspringen, eröffnen sich beträchtliche Potenziale für Wert- und Umsatzsteigerung. Dafür müssen allerdings die gesamte Organisation, Supply Chain Sourcing und das Mindset im Unternehmen neu aufgesetzt werden.
  2. Kunden erwarten heute Innovationsfreude und einen hohen Grad an Customizing, d.h. ihre spezifischen Anforderungen sollen erfüllt werden. Wie kann man als Maschinenbauer dort mithalten? Die Antwort: indem man flexibel genug ist, um Produktionslinien von heute auf morgen umzustellen und agil auf Marktanforderungen zu reagieren.
  3. Verändert hat sich außerdem das Bewusstsein der Kunden für Nachhaltigkeit. Qualität ist nicht mehr der alleinige Maßstab. Sondern die Kunden sind heute bereit, für „Sustainability“ auch Geld auszugeben. Wer diese Anforderungen einer neuen Generation versteht und aufgreift, vertieft die Kundenbindung und verschafft sich dadurch automatisch Wettbewerbsvorteile.

„Durch die Möglichkeiten der Digitalisierung können Fertiger im Bereich der Instandhaltung ganz neue Wachstums- und damit Umsatzpotenziale erschließen.“

– Wei-Chien Sun, Portfolio Lead Digitization / Asset Strategy & Performance Management, SIRIUS

Was sind die Technologien, um diese Trends erfolgreich zu bedienen?

Waren IoT und Big Data anfangs für Anwendungsfälle nicht richtig greifbar, so gibt es inzwischen konkrete praktische Szenarien, wie das Beispiel 5G-Netzausbau zeigt. Der gesamte After-Sales-Service, den Maschinenbauer heute bedienen müssen und über den sie Umsätze generieren (sowie engere Kundenbindung schaffen) können, lässt sich durch 5G deutlich verstärken – indem man zum Beispiel Servicekräfte vor Ort durch das Aufschalten von Virtual Reality unterstützt. Hier geht es um große, nicht einheitliche Daten, für deren Übermittlung eine leistungsfähige Infrastruktur Bedingung ist. Wenn dadurch beim ersten Mal gleich alles geregelt werden kann – Stichwort „First time fix rate“ – erhöht dies gleichzeitig die Effizienz und Kundenzufriedenheit. Einen ähnlichen Reifegrad, um Digitalisierung und Instandhaltung gemeinschaftlich voranzutreiben, weisen mittlerweile Cloud-Technologien auf. Für Anwenderunternehmen ist damit ein Mehr an Flexibilität und Skalierbarkeit verbunden.

Zwei aktuelle Beispiele unterstreichen dies: Der traditionsreiche Elektrotechnik-Konzern Schneider Electric hat seine Unternehmensphilosophie in den letzten Jahren stark gewandelt und operiert heute mit Technologien wie Edge Computing, Advanced Analytics und Connected Ecosystems. Schneider bezeichnet sich mittlerweile als führend bei der digitalen Transformation und nachhaltigstes Unternehmen der Welt. Außerordentliche Umsatzzuwächse sind das Ergebnis dieses Umdenkens.

Ähnlich beim Grafikchiphersteller NVIDIA, der seine Umsätze von acht Milliarden Euro in 2011 auf heute 321 Mrd. hochschrauben konnte. Aus seiner bisherigen Expertise heraus bietet NVIDIA der Industrie heute End-to-end-Lösungen, kann Muster in Straßenverkehrssystemen erkennen und diese in autonomen Lieferrobotern verarbeiten, hat im Gaming-Sektor in Deep Learning investiert und vieles mehr. So hat NVIDIA sein bisheriges Wissen über Grafikchips erweitert, um basierend darauf weitere Services anbieten zu können.

Unter der Überschrift „Masterplan definieren und umsetzen?“ werden wir uns im nächsten Teil eingehender damit beschäftigen, was man Highlevel unter Digitalisierung versteht, was sie bewirken und wie man sie angehen kann.

Titelbild: © ipopba/iStockPhoto