Recruitingkanäle im Test

Fachkräftemangel: Wo finden Sie die richtigen Mitarbeiter?

Rund 82.000 Stellen waren 2018 in der IT-Branche unbesetzt, das sind 49 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Klar, dass unter diesen Umständen die Recruiting-Maschinerie bei vielen Unternehmen heiß läuft. Wir bei SIRIUS haben die gängigsten Recruiting-Methoden ausprobiert und kamen zu einem überraschenden Ergebnis.

Ob nun Stellenportale wie Monster und Indeed oder Active Sourcing via LinkedIn und XING: Das sind alles solide Recruiting-Plattformen. Allerdings werden die ärgerlicherweise auch immer teurer. Wir haben sie natürlich trotzdem alle genutzt – mit oft nur mäßigem Erfolg. Viele der eingehenden Bewerbungen passten nicht zum Stellenprofil, egal, wie klar wir das formulierten. Beim Active Sourcing wiederum bleibt oft das fahle Gefühl, bei den Kandidaten als nerviger „Headhunter“ wahrgenommen zu werden.

Persönliche Empfehlungen sind Trumpf

Die beste Einstellungsquote erreichen wir nicht durch die klassischen Maßnahmen, sondern durch persönliche Empfehlungen unserer bestehenden Mitarbeiter.

Das hat einige Vorteile, die deutlich über die reine Erfolgswahrscheinlichkeit hinausgehen:

  • Die Bewerber wissen, was sie erwartet
    Bevor sich die Bewerber bei uns melden, waren sie in der Regel schon länger mit unseren Mitarbeitern in Kontakt. Sie haben sich durch Vorabgespräche mit unseren Mitarbeitern schon intensiv mit unserem Unternehmen auseinandergesetzt. Das heißt, sie wissen genau, was auf sie zukommt – und ob es sich lohnt, sich zu bewerben. Daher ist die Trefferquote hier höher als bei jeder anderen Bewerbungsform.
  • Die Talente passen ins Team
    Wir stellen unsere Mitarbeiter nicht nur ein, weil sie fachlich spitze sind – sondern natürlich auch, weil sie zu unserer Unternehmenskultur und in unser Team passen. Ein gemeinsames Verständnis von prägenden Unternehmenswerten begünstigt den Integrationsprozess und eine lange Verweildauer im Unternehmen.
  • Die Kosten halten sich in Grenzen
    Werden Bewerber über unsere Mitarbeiter auf uns aufmerksam, sparen wir uns die Kosten für Stellenanzeigen und sonstige Werbung. Einen Teil der gesparten Kosten geben wir mit einer Prämie auch an unsere Mitarbeiter weiter – so haben alle was davon.

Empfehlungen gibt man natürlich nur, wenn man selbst zufrieden ist. Ein Schlüsselerfolgsfaktor für diesen Recruitingkanal sind also zufriedene Mitarbeiter. Und das hat gleich noch einen weiteren Effekt: Wenn unsere Mitarbeiter zufrieden sind, bleiben sie länger und wir müssen gar nicht erst einen Ersatz suchen – das ist natürlich der beste Weg, immer genügend passendes Personal zu haben. Viele unserer Mitarbeiter haben uns auch bei Kununu bewertet. Das hat uns direkt die Auszeichnung „TOP-Arbeitgeber Mittelstand 2020“ beschert – und einige Bewerber, die aufgrund dessen auf uns aufmerksam geworden sind.

„Recruiting fängt intern an. Ein zufriedener Mitarbeiter ist die beste Werbung für unser Unternehmen.“

– Lukas Kappaun, Managing Director Recruiting, SIRIUS

Um unsere Berater dauerhaft zu halten, bieten wir – wie die meisten Unternehmen – Standards wie Dienstwagen, Sabbaticals, gute Gehälter und flexible Arbeitszeiten. Erfahrungsgemäß ist das mittlerweile nicht nur ein Nice-to-Have, sondern wird sogar vorausgesetzt. Entscheidend ist aber auch noch etwas anderes: die Unternehmenskultur. Studien zeigen, dass in Deutschland für 65 Prozent der Mitarbeiter das gute Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen der Hauptmotivator für eine lange Verweildauer im Unternehmen ist. Diese Erfahrung haben auch wir gemacht – zumindest ist das die Rückmeldung unserer Mitarbeiter. Sie schätzen Zusammenarbeit statt Ellenbogen und Teamdenken statt Patriarchat. Bei uns fragt auch mal ein Senior den Junior um Rat – es ist uns wichtig, dass die flachen Hierarchien auch gelebt werden.

Immer im Gespräch

Das Problem der flachen Hierarchien und mittelständischen Unternehmen liegt dann eher darin, dass es naturgemäß wenig Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Das lösen wir dadurch, dass wir kontinuierlich im Gespräch mit unseren Mitarbeitern bleiben. So wissen wir, wenn sie eine neue Herausforderung suchen und können ihnen intern oder extern neue Aufgabengebiete anbieten. Chef sein muss hier keiner, Verantwortung tragen dennoch alle. Jeder soll die Möglichkeit bekommen, sich selbst zu verwirklichen – auch ohne gleich das Unternehmen wechseln zu müssen. Am Ende ist das die effektivste Art, dem Fachkräftemangel zu trotzen.

Titelbild: © sunanman/iStock