Testing: In 4 Schritten zur besseren Software

Wie Softwaretests für Userzufriedenheit sorgen

Was machen Sie, wenn die Implementierung abgeschlossen ist? Wenn Sie jetzt mit „schnell testen und dann live gehen“ antworten, haben Sie eine wichtige Chance verpasst. Mit einem guten (!) Testing, bestenfalls schon während der Implementierungsphase, holen Sie nämlich das Maximum aus ihrer Software heraus – und verbessern die Akzeptanz signifikant.

Bei Software-Implementierungsprojekten ist eines immer Mangelware: Zeit. Während die Auswahl der Software oft Monate dauert, muss am Ende alles ganz schnell gehen – vor allem bei Implementierungen nach der Wasserfall-Methodik. Noch kurz testen und schon geht‘s live. Doch halt! Genau hier ist der Fehler. „Mal eben schnell testen“ ist zu kurz gedacht. Natürlich können Sie kleinere Bugs auch später noch ausmerzen. Aber wollen Sie das? Nach dem Go-live sind es nämlich die User, die Bugs entdecken und melden. Mit jedem Fehler sinkt die Akzeptanz der neuen Software – und das Ansehen der Verantwortlichen. Und: Werden es viele Fehler, steht schlimmstenfalls das System komplett still oder geschäftsrelevante Vorgänge funktionieren nicht richtig.

Testing verbessert Prozesse

Ein gutes, ausführliches Testing hat noch einen weiteren Vorteil: bessere Prozesse. Vermutlich haben Sie schon vor der Implementierung die Prozesse analysiert und an die Software angepasst (oder die Software an die Prozesse). Im täglichen Arbeitsablauf sieht das aber noch mal ganz anders aus als in der Theorie. Deshalb sollten Sie beim Testing auch genau die Mitarbeiter einbeziehen, die später damit arbeiten werden. Auch wenn Praktikanten oder Werkstudenten günstiger wären: Ihnen fehlen die fachliche Expertise und ausführliche Erfahrung in Bezug auf die „alten“ Prozesse und wie diese wirklich bisher gelebt wurden. Ihren Mitarbeitern aus den Fachbereichen wird zügig auffallen, wenn an der einen oder anderen Stelle auch ein Klick weniger genügen würde und Prozesse unlogisch aufgebaut sind. Das können Sie noch vor dem Go-live verbessern. Vor allem aber teilen Ihre Mitarbeiter aus den Fachabteilungen ihre (hoffentlich guten) Erfahrungen mit ihren Kollegen. Sind die Tester begeistert, sorgen sie für einen guten Start der neuen Software – und werden zu kompetenten Key-Usern – oder neudeutsch auch „Change Agents“ genannt.

„Ein motiviertes Testteam liefert meist gute Vorschläge, die die neue Software deutlich verbessern.“

– Alexander Speth, Consultant, SIRIUS

Am besten planen Sie das Testing schon vor Implementierungsbeginn ein – mit genügend Zeit.

4 Schritte zum optimalen Softwaretest

1. Testkonzept und Auswahl des Testtools
Bevor Sie anfangen, Ihre neue Software zu testen, sollten Sie die Rollen und Verantwortlichkeiten in Ihrem Testteam festlegen. Sie benötigen einen Testmanager, der alle Tests koordiniert, Pläne erstellt und dafür sorgt, dass der Zeitplan eingehalten wird. Für die wichtigsten Bereiche benötigen Sie je einen Process Owner, der die Abläufe im Unternehmen genau kennt. Bestenfalls bestimmen Sie auch einen Test Process Owner, der alle Tester vorab schult. Die Tester selbst sollten Sie aus verschiedenen Abteilungen rekrutieren – so haben Sie nach dem Go-live in allen Bereichen kompetente Ansprechpartner etabliert, die Fragen rund um die Software beantworten können.

Außerdem steht die Auswahl einer guten Testsoftware an. Ein gutes Testtool ist übersichtlich, einfach zu bedienen und unterstützt sowohl die Dokumentation als auch das abschließende Reporting.

2. Test-Vorbereitung
Wer hat welche Aufgaben? Was genau ist der Plan? Wer ist der richtige Ansprechpartner für welche Problemstellungen? Diese Fragen sollte nach der Vorbereitung das gesamte Testteam beantworten können. Im Kick-off-Meeting stellen Sie die Organisation auf, motivieren das Team und erklären ihnen ihre wichtige Aufgabe. Besonderes Augenmerk sollte hier auf der Motivation liegen: Ihre Tester haben eine tragende Rolle beim Erfolg der Implementierung. Das sollten sie wissen und sich im späteren Verlauf nicht scheuen, auch kritisches Feedback abzugeben. Am Ende kommt das der Software zugute.

3. Test-Planung
Bei der Planung definieren Sie alle Testfälle und Use-Cases. Um alle Prozesse ausfindig zu machen, führen Sie Interviews mit operativ arbeitenden Mitarbeitern durch und legen die Testprozesse fest. Viele Abläufe in Unternehmen bauen aufeinander auf, danach sollte sich auch die Reihenfolge des Testings orientieren.

4. Test-Reporting
Mit dem richtigen Testtool lässt sich mit wenigen Klicks der aktuelle Stand des Testings darstellen und beispielsweise der Geschäftsleitung vorlegen. Auch die IT kann anhand dessen jederzeit den Status abrufen und weiß anschließend, wie sicher die Prozesse bereits durchlaufen.

Testmanagement spart Zeit

Auch wenn es zunächst aufwendig klingt: Am Ende reduziert ein umfassendes Testmanagement Aufwand und Kosten bei Implementierungsprojekten. Risiken wie Ausfälle im laufenden Softwarebetrieb werden minimiert und die Qualität gesteigert. Alle Beteiligten kennen den tatsächlichen Aufwand des Testings, eine ausreichende Anzahl an Mitarbeitern steht zum Testen bereit und Bugs werden schnell behoben. Von Anfang an eingeplant sorgt es für einen pünktlichen Go-live – und für eine deutlich höhere Akzeptanz der neuen Software. Denn die läuft danach rund.

Titelbild: © vchal/iStock