Was Anwender von SAP fordern

Ein Bericht vom DSAG-Jahreskongress 2018

34 Prozent der deutschsprachigen SAP-Anwender glauben sich in der digitalen Transformation weit oder sehr weit fortgeschritten. Doch damit der Umstieg von ERP- auf Plattformwelt gelingt, wünschen sie sich noch etwas ganz Bestimmtes von SAP.

Mehr als 5.000 Besucher kamen Mitte Oktober zum DSAG-Jahreskongress – Rekord! Der Andrang zeigt, wie groß die Herausforderungen und der Wissenshunger der SAP-Anwender sind. Die rasante digitale Transformation stellt sie vor existentielle Fragen: Was brauchen wir für die Digitalisierung unserer Prozesse? Wie sieht die Wertschöpfungskette der Zukunft aus? Wann und wie steigen wir auf SAP S/4HANA um?

Vom ERP-System zur vernetzten Plattformlandschaft

Kunden und Lieferanten sind künftig sehr viel stärker in die Prozesse eingebunden. Das gilt prinzipiell für alle Branchen, lässt sich aber besonders gut an der fertigenden Industrie ablesen. Dort ist aktuell der digitale Zwilling der letzte Schrei: ein digitales Abbild von Anlagen oder Maschinen, mit denen sich jedes Asset überwachen und analysieren lässt. Hersteller und Betreiber greifen dabei zeitgleich auf identische Daten zu. Der Hersteller kann so unter anderem vorausschauende Wartungen sehr einfach als Service anbieten oder Ersatzteile über ein Kundenportal anbieten. Wir berichteten.

Damit Unternehmen diese Echtzeitvernetzung mit Partnern und Kunden gelingt, müssen sie aber zuerst ihre IT-Architektur neu ausrichten und alte und neue IT-Welt verbinden. Das Zukunftsmodell von Unternehmenslandschaften scheint eindeutig: 73 Prozent der Anwender sehen ERP-Systeme als relevant an, um die Wertschöpfung innerhalb des Unternehmens voranzutreiben. Plattformen werden die Systeme gezielt ergänzen und damit die Anbindung an Kunden und Lieferanten sicherstellen.

Darin sieht die DSAG eine technische Herausforderung: Wie lassen sich redundante Daten und Funktionen vermeiden und eine einheitliche User Experience sicherstellen? Wie werden übergreifende Analysen und Planungen in Echtzeit möglich? Steht Anwendern eine einheitliche Kollaborationsschicht bereit, damit sie sich von jeder Anwendung aus frei im System bewegen können, beispielsweise vom ERP-System zum Lieferantenmanagement und von dort zum Kundenportal? Der Schlüssel dazu ist ein einheitliches Datenmodell – und genau das fordert die DSAG.

„Ein gemeinsames Datenmodell für alle Systeme ist entscheidend – um Redundanzen zu vermeiden, vor allem aber damit Analysen und Planungen über Systeme hinweg möglich sind.“

– Thomas Henkel, Managing Director SIRIUSbusiness, SIRIUS

Gibt es einen einfachen Weg zu SAP S/4HANA?

Das Zentrum jeder neuen Digitalstrategie wird SAP S/4HANA sein. Noch aber sind längst nicht alle auf die neue Business Suite umgezogen, für manche Unternehmen gibt es viele Fragezeichen. Darum forderte die DSAG im vergangenen Jahr unterstützende Programme für die Einführung. SAP hat reagiert und ein Online-Massentraining ins Leben gerufen, das Kunden grundlegendes Wissen für einen Wechsel vermitteln soll. Wer jedoch umsichtig umsteigen will, bleibt auf qualifizierte Partner angewiesen, die individuell beraten, eine Roadmap erarbeiten und das Projektmanagement unterstützen.

Das gilt insbesondere dann, wenn das System am Ende perfekt zum Unternehmen passen soll – und nicht etwa umgekehrt. Für diesen Brownfield-Ansatz braucht es individuelle Anpassungen, die nur durch prozessuale Workshops, die Vermittlung von Methodenkompetenz und Unterstützung beim Projektmanagement zu bewerkstelligen sind. Die Alternative besteht in einem Greenfield-Ansatz, bei dem Unternehmen die Suite von Grund auf aufbauen und die bestehenden Daten migrieren. Dabei sind sie jedoch auf den zur Verfügung gestellten Standard angewiesen und müssen ihre Prozesse daran ausrichten.

DSAG gewinnt mehr Einfluss auf SAP-Roadmap

Die DSAG wächst stark und besteht mittlerweile aus mehr als 3.500 Mitgliedern. Nicht nur beim Thema Preisgestaltung indirekter Nutzung konnte sich die DSAG in diesem Jahr gegen SAP durchsetzen. Auch an Customer-Influence-Programmen nehmen immer mehr Anwender teil und geben Impulse.

SAP hat mehrere Kanäle aufgebaut, über die Kunden funktionale Verbesserungswünsche einreichen können. 260 Produktverbesserungen entstanden allein im Jahr 2018 im Rahmen des Customer-Connection-Programms. Das Customer-Engagement-Programm erreichte 235 Innovationen. Bei den Anwendern kommt das gut an: Seit 2014 wurden rund 100.000 Produktverbesserungen heruntergeladen.

Auch der strategische Einfluss der DSAG wird künftig weiter anwachsen. In sogenannten Customer Counsels können Vertreter von Anwenderunternehmen aller Branchen marktnahe Impulse einbringen. Doch zunächst steht nur eines ganz oben auf der Agenda: ein einheitliches Datenmodell für die heterogene Zukunft der IT-Landschaften.

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